Falsche Töne

Es ist schon einige Zeit her - doch es will mir nicht aus dem Kopf. Ein seltsamer Nachgeschmack ist geblieben, vielleicht krieg ich ihn weg, wenn ich darüber schreibe.

Ich hatte einen Beitrag in der Sendung “Seitenblicke” gesehen - unser TV-Magazin für die Society, oder die, die sich dafür interessieren, sich dafür halten; wie auch immer. Mit “Society” ist ja eine ganz eigene Spezies Mensch angesprochen, und eine eigene Clique an Reportern und Redakteuren widmet sich dann also auch diesen “speziellen” Menschen.

Da war zu sehen und zu hören wie Modells Tierhäute, also Felle, von Nutztieren vorführten. Nun, das Wort “Nutztier” fände ich schon mal festhaltenswert. Immerhin, es wurden keine niedlichen Fellkrabbler extra geschlachtet, man hatte den Eindruck, die Nutztiere waren auch sonst noch zu etwas gut, also nicht sinnlos, wie z.B.: Nerze. Da wartet man ja nur auf eine gewisse Größe die das Tier erreichen darf, um als Mantelversatzstück enden zu dürfen. Ja, da wurde also diese nützliche Haut zu Markte getragen, vorgeführt und hergezeigt. Nach dem eine Vorführdame auch noch einige sinnentleerte Sätze in die Kamera sprechen durfte - wer mag es ihr verübeln, daß sie hierbei einen unangenehmen Eindruck machte, schließlich muß sie das auch nicht können - ebensowenig wie Fußballer die Nationalhymne einwandfrei intonieren können müssen; da wurde auch noch gezeigt wie Tierschützer den Laufsteg stürmten um zu protestieren.

Als Tierschützer ist es ihr gutes Recht. Der Kommentator der Sendung hat natürlich auch ein Recht, nämlich dieses, den  ”Vorfall” zu kommentieren. Und jetzt sind wir bei Geschmacksfragen. Darüber läßt sich ja bekanntlich nicht streiten, doch wenn diese Äußerung als schaler Nachgeschmack an mir kleben bleibt, möchte ich das auch aufzeigen dürfen.

Der kleine Nebensatz mit dem er, die für ihn offenbar lächerlichen Anstrengungen der Aktivisten, würdigte, troff nur so vor kalter Verachtung, Spott und Hohn. Er hatte natürlich nicht gesagt: “Ihr glaubts doch nicht tatsächlich, daß ihr auch nur einem Viech das Leben retten könnts, na und wenn, die anderen müßen eh sterben, und schau wie uns, der feinen Gesellschaft, das egal ist” - aber so hats geklungen! Der Ton macht die Musik! Und diese Musik ertrag ich nicht!

Ja, ich bin da sehr empfindlich. Und ich empfinde den Zynismus dieser Äußerung als nicht angebracht. Das ist ein Spiegel der Gesellschaft, und nicht nur der, einer feinen - und das erschreckt mich. Diese große zynische Gleichgültigkeit, der wir an allen Ecken begegnen können, die finden wir auch in einem unwichtigen Kommentar in einer unwichtigen Sendung. Umso schlimmer, wenn unsere Ohren an so etwas vorbeihören können. Ich konnte es nicht. Ich kriegs aus meinem Kopf nicht raus. Es mag auch dies unwichtig erscheinen - doch wer Ohren hat, der höre. Und wer Gefühl hat - fühlt.

Ich könnte auch noch über die Plakatwerbung eines Radiosenders schreiben. Da hofft ein Karpfen, daß zu Weihnachten Gans gegessen wird. Die Gans hofft, daß der Mensch lieber Fisch isst. Doch man kann sich vielleicht vorstellen, wie ich darüber denke. Geschmacklos. Und im Übrigen bin ich tatsächlich seit 10 Jahren Vegetarier.

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