Weihnachten
Was bedeutet Weihnachten für mich? Oder, fassen wir es weiter, reden wir über die Adventzeit. Zuerst versuche ich für meinen Sohn einen Adventkalender zu finden auf dem der Weihnachtsmann nicht abgebildet ist. In unseren geographischen Breiten kommt am vierundzwanzigsten das Christkind. Santa Claus oder Weihnachtsmann sind vielleicht Marktführer, übernehmen auch noch gerne die Aufgaben vom Nikolo, aber unter meinen Christ-baum legt das Christ-kind die Geschenke. Wir werden uns mit dem Erklären sowieso immer schwerer tun - wie um Himmels willen kommen diese ganzen Weihnachtsmänner in die Kaufhäuser? Was machen die da? Wer sind die wirklich? Auch so gesehn ist das Christkind praktisch, das sieht man ja nie!
Wir wollen einen Adventkranz. Aber mir liturgischen Farben, und das heißt nun mal: drei violette, eine rosa Kerze. Ich bin nicht religiös, aber meine Frau wünscht es sich so. Deswegen wünsche ich es mir auch. Adventzeit - man versucht zu verstehen, zu glauben, man erfüllt Wünsche. Nächstes Jahr basteln wir den Kranz selbst: schwer zu finden, teuer, und nicht mal übermäßig hübsch - nein Danke.
Versucht man in Stimmung zu kommen, ist der Nikolo da, um dabei zu helfen. Der Krampus wird ausgelassen, der zieht pädagogisch heute nicht mehr. Trotzdem, wir werden wieder konservativ - liegt das an den eigenen Erinnerungen aus der Kindheit? Aber ein rosa St.Nikolauskostüm muß nicht sein. Auch hier versuchen wir dem übermächtigen Weihnachtsmann nicht in die Falle zu gehen … “nein, bitte eine Mitra und ein Stab, ja so wie ein Bischof, genau … “- so muß man sich im Kostümverleih verständlich machen. Denn wir haben die Ehre den Nikoloauftritt in der Kindergruppe unseres Sohnes zu organisieren. Wir machen den Kindern damit eine Freude - Weihnachten eben.
Adventmärkte werden besucht. Was es da für Unterschiede gibt! Man erkennt diese bereits an der Musik, die unerbittlich aus den Lautsprechern säuselt. Am großen, kitschigen -”es-kommen-auch-Busse-aus-dem-Ausland” - Adventmarkt, töten dir Udo Jürgens und Vico Torriani den Nerv. Der kunstsinnige Markt, er hat aber auch ein Ringelspiel für Kinder, lässt Diana Krall´s Weihnachtsplatte laufen - das ist einfach schöner, und den Kindern ist es egal. Es gibt zu dieser Musik auch wirklich das bessere Essen, den wärmeren Punsch und das schönere Gefühl! Einen Engel haben wir gesehen! Einen echten Esel in der Krippe! Feuer hat gebrannt! - Und wir haben ein Holzschwert gekauft. Tja, unser Vierjähriger hat uns glaubhaft versichert, daß es eben ohne Schwert nicht geht. Dabei haben wir schon “Wickie und die starken Männer” im TV abgesetzt und sind auf “Pipi Langstrumpf” umgestiegen. Sogar ein Kampfverbot mit Papa haben wir erlassen - weil Weihnachten ist! Aber die Kollegen in der Kindergruppe sehen das wohl nicht so eng -und schließlich, ich weiß es ja schon, wird das Christkind eine Ritterburg unter den Baum stellen. Da kommt man dann erst recht nicht ohne Schwert aus, und er ist ja auch vorsichtig damit.
Apropos Baum - wir müssen schleunigst einen kaufen. Nein, wir nehmen wieder einen geschlachteten (frei nach Polgar), wir haben keinen Garten, die Terasse ist zu klein und … ja. So ist es eben.
Die Geschenke wurden schon in einer Kommandoaktion gekauft und im hohen Kasten verstaut. Jetzt gilt es bei Tanten und Großeltern Überzeugungsarbeit zu leisten: Er hat eh schon soviel, wo bitte sollen wir ein Trampolin unterbringen ? -wann warst Du das letzte mal bei uns Babysitten, dann wüsstest du … ja, Zeit schenken wäre gescheiter! Ein leidiges Thema, doch es gehört zu Weihnachten wie die Christbaumkugeln, und von denen haben wir auch schon genug. So oder so!
Beim Basteln und Backen wird der weihnachtliche Frieden einer harten Prüfung unterzogen. Nächstes Jahr wirds besser mit ihm, dann ist er schon größer. Das sagt man sich auch, wenn man versucht seinen Sohn dazu zu bewegen, in den Adventfeiern bei Kerzenschein brav die Lieder mitzusingen, die man selbst auf der Gitarre begleitet. Aber, waren wir als Kinder anders?
Der Zauber von Weihnachten ist noch immer da, selbst wenn man nicht mehr an das Christkind glaubt und durch die Straßen hetzen muß um dieses würdig zu vertreten. Markt und Straßen stehen verlassen - von wegen. Wir versuchen uns gegen das “Geschäft” Weihnachten zu wehren, sind aber nicht immer gefeit davor. Doch wenn wir für unsere Liebsten die ganz besondere Kette finden - und uns das überraschte Lächeln bei Kerzenschein vorstellen - dann weihnachtet es auch für uns Große sehr.
Wir schmücken den Baum selbst und stehen trotzdem mit leutenden Augen davor - ein Strahl der Kinderaugen hat sich in den unseren gefangen.
23. Dezember 2006 um 13:50
Hast Du aber Glück, dass Dein Sohnemann (noch) nicht lesen kann ;-) Oder gibt’s hier plötzlich das Christkind als Mit-Blogger ;-)
Auf jeden Fall, alles Liebe und Feine Euch zu Weihnachten ..